Am 2. Dezember 2025 luden die SICOS BW GmbH und das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) gemeinsam zum 9. iHURT ein. Die Veranstaltung bot erneut eine wichtige Plattform für den Austausch rund um High Performance Computing (HPC) mit Nutzerinnen und Nutzern aus der Industrie.
Highlights und Referenten
Begrüßung und Einführung
Dr. Andreas Wierse, der Geschäftsführer der SICOS BW GmbH eröffnete als Organisator und hieß die mehr als 30 Teilnehmenden herzlich willkommen. Er betonte die Bedeutung des iHURT als Austauschplattform für Nutzerinnen und Nutzern aus der Industrie, die täglich HPC-Systeme nutzen, insbesondere auch die des HLRS. Er ging dabei auf die aktuellen Entwicklungen in der HPC-Landschaft ein und unterstrich, wie wichtig leistungsfähige digitale Werkzeuge für Innovationsprozesse geworden sind – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die zunehmend auf Simulation und auch auf KI setzen.
Als Hausherr des HLRS begrüßte anschließend auch Prof. Dr. Michael Resch (HLRS) die Gäste. In seiner kurzen Einführung gab er einen prägnanten Überblick über die gegenwärtige Situation des Höchstleistungsrechnens in Deutschland und Europa und skizzierte die strategischen Pläne des HLRS. Dazu zählten der weitere Ausbau der Rechenkapazitäten, die enge Verzahnung von KI und Simulation sowie die Stärkung der industriellen Zusammenarbeit. Seine Ausführungen verdeutlichten eindrücklich, wie dynamisch sich das HPC-Umfeld aktuell entwickelt und welche zentrale Rolle das HLRS darin einnimmt.
Keynote: Dr. Monika Wierse (Porsche AG)
In ihrer eindrucksvollen Keynote stellte Dr. Monika Wierse die Grundlagen der virtuellen Fahrzeugentwicklung bei der Porsche AG vor. Sie gab einen praxisnahen Einblick, wie Simulation, HPC und KI heute eine zentrale Rolle im automobilen Entwicklungsprozess spielen – von der Aerodynamik bis hin zur Gesamtfahrzeugauslegung. Die Teilnehmenden lobten insbesondere die Klarheit, Struktur und Praxisnähe ihres Vortrags.
HammerHAI:
Karin Schlottke (HLRS) präsentierte die neue KI-Fabrik „HammerHAI” und zeigte, wie KI-Modelle und klassische Simulationen künftig noch enger verzahnt werden können. Hier wird insbesondere im kommenden Jahr auch zusätzliche KI-Rechenkapazität verfügbar werden.
Praxisberichte aus Industrie und Engineering:
Dr. Stefan Hildenbrand (Sidion Engineering GmbH) gab in seinem Vortrag „Engineering Services im Kleinformat“ einen praxisnahen Einblick in die Herausforderungen, denen sich kleinere Unternehmen im Umgang mit Simulation und HPC gegenüber sehen. Er hob besonders die Problematik rund um kostspielige Softwarelizenzen, unflexible Lizenzmodelle und den oftmals schwierigen Zugang zu leistungsfähigen HPC-Ressourcen hervor. Diese Faktoren erschweren den Einstieg für viele KMU, obwohl der Bedarf an Rechenleistung und modernen Tools klar vorhanden ist.
Dr. Wolfram Kühnel (Mahle International GmbH) gab in seinem Vortrag „HPC @ MAHLE“ einen tiefen Einblick in die hochkomplexe IT- und Simulationslandschaft eines international aufgestellten großen Mittelständlers. MAHLE ist mit zahlreichen Standorten auf mehreren Kontinenten vertreten. Genau diese globale Struktur bringt erhebliche Herausforderungen mit sich: unterschiedliche lokale IT-Infrastrukturen, variierende Softwarelandschaften und das anspruchsvolle Ziel, weltweit einheitliche Standards für Engineering, Simulation und HPC-Nutzung zu schaffen. Dr. Kühnel verdeutlichte, wie wichtig konsistente Prozesse und eine koordinierte IT-Architektur sind, um im gesamten Unternehmen vergleichbare Entwicklungsumgebungen bereitzustellen.
Dr. Andreas Lucius (ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KGaA) sprach über GPU-Beschleunigung in der Ventilatorentwicklung. In seinem Vortrag zeigte er eindrucksvoll, wie GPU-Beschleunigung die Ventilatorentwicklung bei ebm-papst verändert. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, dass GPUs vor allem dort enorme Vorteile bieten, wo hochauflösende CFD-Simulationen oder viele Variantenläufe in kurzer Zeit benötigt werden. Aufgrund der hohen Parallelisierbarkeit konnten die Rechenzeiten deutlich verkürzt und die Entwicklungszyklen spürbar beschleunigt werden. Dies ermöglicht schnellere Designentscheidungen und eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich Optimierung und digitaler Prototypen.
Ralph Eisenschmid (Syntegon Technology GmbH) zeigte in seinem Vortrag zu „FlowROM – KI-gestützte Reduced Order Models aus CFD-Simulationen“ sehr eindrucksvoll, wie Künstliche Intelligenz klassische numerische Simulationen sinnvoll ergänzen und beschleunigen kann. Er demonstrierte, wie mithilfe von KI-Modellen komplexe Strömungsphänomene deutlich schneller approximiert werden können, ohne dass vollständige CFD-Berechnungen erforderlich sind. Dadurch können Unternehmen mehr Varianten in kürzerer Zeit testen und Designentscheidungen früher und fundierter treffen.
Rechnerraum- und VR-Führung in der Mittagspause
In der Mittagspause hatten die Teilnehmenden die besondere Gelegenheit, einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des HLRS zu werfen. Bei einer fachkundig begleiteten Rechnerraumführung wurde der neue Hochleistungsrechner „Hunter“ vorgestellt. Die Besucher erhielten Informationen über seine Architektur, Leistungsfähigkeit und zukünftige Einsatzbereiche im wissenschaftlichen und industriellen Umfeld.
Darüber hinaus bot das HLRS einen faszinierenden Einblick in seine Entwicklungsabteilung für virtuelle Technologien: Eine Vorführung in der CAVE, dem immersiven 3D-Visualisierungssystem, zeigte anschaulich, wie komplexe Daten und Simulationen räumlich erfahrbar gemacht werden können. Viele Teilnehmende betonten im Nachgang, wie beeindruckend diese Kombination aus Hochleistungsrechnen und modernster Visualisierungstechnologie war.
HPC-Update
Dr. Thomas Bönisch vom HLRS gab einen umfassenden Überblick über aktuelle technische Entwicklungen im HPC-Umfeld und skizzierte zukünftige Trends. Dabei ging es tief in die technischen Aspekte neuer Prozessoren, Speicher- und IO-Technologien.
Offener Round Table: In der durch Dr. Andreas Wierse moderierten Diskussionsrunde, dem runden Tisch des iHURT, wurden Themen wie Virtualisierte Desktop Infrastruktur, Cloud oder On-Premise, Vor- und Nachteile von CAE-Komplettanbietern, was kann Open Source, intensiv diskutiert.
Rückmeldungen und Teilnehmer-Feedback: Das Feedback der Teilnehmenden fiel durchweg positiv aus. Die Vorträge überzeugten durch hohe Praxisnähe und konkrete Umsetzungsbeispiele. Besonders wertvoll empfanden viele den offenen Austausch beim Round Table, bei dem echte Herausforderungen offen angesprochen und Erfahrungen geteilt wurden. Die Vernetzungsmöglichkeiten zwischen den Industrienutzerinnen und -nutzern wurden als großer Mehrwert hervorgehoben.
Fazit & Ausblick: Der 9. iHURT war ein rundum gelungener Tag voller Inspiration, fachlicher Tiefe und ehrlichem Austausch. Mit starken Referierenden und engagierten Teilnehmenden zeigte die Veranstaltung einmal mehr, wie wichtig der Dialog zwischen Nutzenenden und Providern im HPC-Umfeld ist.
Wir danken allen Referierenden und Gästen herzlich für ihre Beiträge und freuen uns bereits auf den nächsten iHURT am 01.12.2026.


